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Reisebericht Hongkong für Wiederholungstäter

Die pulsierende Metropole befindet sich im Wandel

Endlich: Ich bin wieder in Hongkong! Drei Tage Stopover. Zeit, in die Hektik, Gerüche und das Wuseln der Metropole an der Flussmündung des Pearl River einzutauchen, köstliche Dim Sum zu probieren und atemberaubende Blicke von coolen Dachterrassen aus zu genießen. Hinein in diese nie endende Kakophonie, in die dicht an dicht stehenden Wohnghetto-Hochhäuser, in spektakuläre Kunstausstellungen und neue Bars und Restaurants, in denen die Hipster-Szene Hongkongs sowohl vor als auch hinter dem Tresen steht. In diesem Reisebericht Hongkong nehme ich dich mit auf eine spannende Entdeckungstour durch die Stadt der Kontraste – von atemberaubenden Skylines bis hin zu traditionellen Tempeln.

Der letzte Besuch liegt mehr als zehn Jahre zurück. Das erste, was mir auffällt: Die Bewohner scheinen eine Charme-Offensive durchlaufen zu haben. Kaum stehen wir an einer Straßenecke, offensichtlich auf der Suche nach der nächsten Abbiegung, bleibt jemand stehen: „Can I help you?“

Reisebericht Hongkong - Blick auf Hongkong Island

Blick von Whampoa auf Hongkong Island

Reisebericht Hongkong: Star Ferry

Die Star Ferry verbindet Hongkong Island mit Central

Mit der Star Ferry rüber nach Central

Die Fahrt von unserem Hotel in Whampoa auf der Festlandseite nach Central auf Hongkong Island geht mit der alteingesessenen Star Ferry, an der der Zahn der Zeit nagt, die aber dennoch genauso günstig und zuverlässig wie immer im Abstand von wenigen Minuten die Menschen von der einen auf die anderen Seite des Victoria Harbour befördert. Die Passage auf dem Oberdeck kostet nur ein paar Cent mehr, dafür gibt es Tageslicht und Fahrtwind – der Jetlag wird gefühlt schnell in seine Schranken verwiesen. Wenn die Stadt nicht gerade wieder einmal unter einer gigantischen Smogwolke versunken ist – der ständig weiter boomenden Industrielandschaft im nahe gelegenen Ghunghzou und Guangdong sei Dank – bietet diese Art der Fortbewegung auch schöne Fotoperspektiven. Tipp für einen der ersten Hongkong Fotospots: Das Teleobjektiv unbedingt einpacken, um das touristische Wahrzeichen Hongkongs, die alten Holzdschunken mit den roten Segeln schön verdichtet vor die glasverspiegelten Wolkenkratzer in Szene zu setzen oder zum Beispiel nur ein Detail der an- und ablegenden Fähren in den Bildausschnitt zu holen.

Reisebericht Hongkong - Dschunke

Beliebtes Fotomotiv: Die traditionellen Dschunken vor der Hongkong Skyline

Reisebericht Hongkong - Riesenrad

Mit dem Teleobjektiv Details einfangen wie hier vom Honkgong Riesenrad

Reisebericht Hongkong: Pflichtbesuch in der Cat Street

Das Klima ist wie meistens eine physische Herausforderung: 32°C und 80% Luftfeuchtigkeit – in jeder chinesischen Waschküche herrschen wahrscheinlich bessere Umgebungsbedingungen. Also weiter per Taxi hoch zur Cat Street – die eigentlich gar nicht so heißt. Aber die Gegend rund um die Hollywood Road und Upper Lascar Row, ist unter diesem Namen bekannt und hat nicht viel von ihrem alten Charme eingebüßt. Zwischen den Ramsch-, Kitsch- und Antiquitätenläden mit ihrem Angebot aus kuriosen Mao Tse Tung Devotionalien, kunstvoll bemalten, antiken Schnupftabakfläschchen oder hochwertigen Jadearbeiten haben sich mittlerweile trendige Coffeeshops gemischt. Statt selber zu feilschen kann man nun den kläglichen Bemühungen seiner Landsleute bei einer Latte Macchiato mit Sojamilch genüsslich zuschauen…

Auf der Hollywood Road ist ein kurzer Abstecher in den Man Mo Tempel, geweiht dem Gott der Literatur (man) sowie dem Gott des Krieges (mo) eigentlich fast schon Pflicht. Der einzigartige Geruch, der von den unter der Decke hängenden Rauchspiralen, die mit Gebetskärtchen versehen sind, aufsteigt, die Chinesen, die hier ihre frommen, althergebrachten Rituale fern jedweder Hektik der Großstadt vollziehen, und das von oben einfallende, milchig schimmernde Licht verschafft einen Moment der Stille, eine kurze Verschnaufpause von der Betriebsamkeit und dem Lärm auf den Straßen der Stadt.

Reisebericht Honkong - Antiquitätenladen Hollywood Street

Antiquitätenladen Hollywood Street

Reisebericht Hongkong: Man Mo Tempel

Der Man Mo Tempel, Hollywood Road, Hongkong

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Instagrammable Hotspots in Hongkong

Das Schaufenster in einer Querstraße, durch die wir weiter schlendern, zieht mich magisch an. Bunte, skurrile, kindlich wirkende Objekte sind liebevoll angeordnet. „Hello, come in please,“ schallt es freundlich vom Ende des Ladens herüber. Neben der Inhaberin thront ein gepflegter, getigerter Kater mit Halsband auf der Theke. Ich darf ihm Leckerlis geben, bekomme dafür ein „High Five“ mit der Pfote und registriere erstaunt, dass der Kater einen eigenen Instagram-Account besitzt (@soulartshoptiger) und es ein Buch über Hongkonger Ladenkatzen gibt.
Update der Redaktion November 2024: Die Katze scheint leider verloren gegangen zu sein. Der Instagram-Account verzeichnet keine aktuellen Beiträge

Am unteren Ende der Graham Street, locken Wandmalereien offensichtlich eine Gruppe „Influencer“ an und ich finde es viel spaßiger, die Mädels dabei zu fotografieren, wie sie verzweifelt eine neue, „noch nie gesehene“ Pose suchen, als die in der Tat hübschen Street Art Werke selber abzulichten. Wer lieber die Influencer im Einzelnen sehen will, bitte schön, einfach hier klicken: www.instagram.com/explore/locations/260695627/graham-street/

Am oberen Ende der Graham Street hat der Inhaber sicherlich nicht ohne Hintergedanken seine heimelige Brooklyn Bar & Grill strategisch günstig auf der Ecke platziert: Wer es in diesem Klima ohne Kreislaufkollaps den steilen Hügel hinauf geschafft hat, wird hier unweigerlich ein eiskalt gezapftes Bier haben wollen.

Vielleicht erschließt sich mir auch deshalb die asiatische Instagramszene nicht, weil eine von mir vorab gebuchte Tour zu dem Thema „Instgram Hot Spots in Hongkong mit Angel“ von selbiger leider kurzfristig abgesagt wurde – Fuss verknackst, Laufen nicht möglich.

Reisebericht Honkong - Ladenkatze Tiger

Ladenkatze Tiger hat einen eigenen Instagram-Account

Reisebericht Hongkong: Instagram Hotspot Graham Street

Instagram Hotspot Graham Street

Wie macht man Hongkong Dim Sum?

Ein absolutes Highlight meines Aufenthaltes in Hongkong war jedoch ein Kochkurs! Über die gleiche Plattform „WithLocals“ hatte ich schon dafür gesorgt, dass Felicity uns beibringen würde, wie man Hongkong Dim Sum selber macht. Treffpunkt ist in der Metrostation, wo uns die Chinesin bereits mit den anderen beiden Teilnehmerinnen, Louise und Hillevi aus Schweden, erwartet. Los geht es auf den Wetmarket, an Ständen mit kunstvoll aufgeschichteten Obst- und Gemüsesorten vorbei, Felicity erklärt, zeigt und läuft dabei zielstrebig auf dem Metzger ihres Vertrauens zu. Große Überraschung: Hier werden die besten Stücke vom iberischen Schwein (aus dritter Generation) angeboten, alles organisch, darauf legt unsere Kochlehrerin viel Wert.

Ein paar Ecken weiter holen wir in einem winzigen Laden die vorbestellten Teigfladen ab, dann führt sie uns in die Wohnung ihrer Schwester. Wohnraum in Hongkong ist eng und unsagbar teuer. Die Starwars Collection ihres Neffen ist in einer Vitrine im „Eßzimmer“ untergebracht, an dessen Tisch unsere kleine Gruppe so gerade eben Platz findet. Die Gemüsefüllung, Pak Choi, hat unsere Gastgeberin bereits morgens gekauft und in Wasser gebadet, „da muss der Sand sauber abgespült sein“, befindet sie. Auf einer Einzelkochplatte erledigt sie noch die nächsten Handgriffe: Pak Choi andünsten, Wasser abgießen, mit Salz würzen, das Ganze dann klein hacken und mit dem Schweinehack vermischen. Nun dürfen wir zur Tat schreiten.

Jeder legt sich einen der hauchdünn ausgerollten Teigfladen in die Hand, benetzt den Rand mit Wasser, packt etwas von der Füllung in die Mitte und dann dürfen wir versuchen die diversen Falttechniken nachzumachen. Geht eigentlich kinderleicht und in Null Komma nichts haben wir auf den verschiedenen Tellern ansehnliche Dim Sum im japanischen Stil, als Goldfisch oder einfach klassisch eingerollt.

Anders als ich es kenne, werden hier die Dim Sum nicht in einem Bambuskörbchen mit Dampf gegart, sondern einfach in die Pfanne mit kochendem Wasser geworfen. Das Ergebnis ist nicht minder köstlich. Mit ein paar Restaurantempfehlungen und Tipps für die Verwendung der öffentlichen Verkehrsmittel werden wir entlassen.

Ein Vorschlag lautete: Unbedingt die mehr als 100 Jahre alte Tram ausprobieren. Wer Zeit hat, hätte Felicity dazu sagen sollen, denn die urige Doppeldecker-Straßenbahn kriecht gefühlt im Schneckentempo über das antike Schienensystem. Wir sitzen natürlich auf dem Oberdeck, suchen von der erhöhten Plattform aus verstohlene Einblicke in den Alltag der Hongkong-Chinesen zu gewinnen. Die Sonne knallt unerbittlich vom Himmel auf uns herab, dennoch macht es Spaß, dem Treiben in der Stadt aus dieser neuen Perspektive zuzuschauen.

Zurück auf der Kowloon-Seite genehmigen wir uns einen letzten Absacker im höchst gelegenen Club Hongkongs, der Ozone Bar. Die Aussicht ist phänomenal, die Signature Cocktails ausgefallen. Wenn Du Dich über die Preise mokieren möchtest: Nimm’s gelassen! Du zahlst hier für den spektakulären Blick, den Cocktail gibt es quasi gratis vom Haus dazu 😉

Reisebericht Hongkong: Iberico Schwein vom Markt

Iberico Schwein vom Markt

Reisebericht Hongkong Dim Sum Kochkurs

Hongkong Dim Sum Kochkurs

Alternative: Hongkong Insel Lantau

Für alle, die Natur lieben, empfehle ich in meinem Reisebericht Hongkong einen Ausflug zur Insel Lantau, wo Dich nicht nur ruhige Wanderwege warten. Nördlich von ihr liegt der internationale Flughafen. Die Wege vom/zum Abflug oder Ankunft sind entsprechend kurz. Auf Lantau wirst Du ein völlig anderes Hongkong kennen lernen. Größter Besuchermagnet auf der Insel ist ohne Frage die überdimensionierte Tian Tan Buddha Statue beim Kloster Po Lin.

Der Weg dorthin ist zweigeteilt. Teil eins macht Spaß: Die Fahrt mit der Gondelbahn über 5,7 Kilometer dauert fast eine halbe Stunde und bietet sensationelle Ausblicke über das südchinesische Meer. Beim Upgrade auf eine „Crystal Cabin“ ist zudem ein freier Blick nach unten durch die Glasscheibe garantiert – wenn Du schwindelfrei bist oder keine Höhenangst hast.

Der zweite Teil ist im Klima Hongkongs weniger spaßig: Vor der Aussicht vom Plateau steht nämlich ein ein Kilometer langer Marsch durch Ngong Ping Village mit zahlreichen Souvenir-/Kitsch-/Ramschläden sowie das Erklimmen von 268 Stufen, die nicht im Schatten liegen. Unbedingt Wasser und eine Kopfbedeckung oder einen Schirm mitnehmen! Hat man jedoch den unangenehmen zweiten Teil hinter sich gebracht, entschädigt die Aussicht für die vorangegangenen Mühen. Wer am Kassenhäuschen beim Eingang zudem noch Karten für die Ausstellung gekauft hat (Beschreibungen nur auf chinesisch, aber dafür Zugang zu einer höher gelegenen Terrasse), erhält außerdem am Kiosk oben ein Wasser und ein Eis.

Der Kontrast zur Ruhe und Beschaulichkeit zur Klosteranlage im Nationalpark könnte im Tai O Fischerdorf im Westen der Insel nicht größer sein. Kaum hat uns der Taxifahrer am Eingang der miteinander verbundenen Pfahlbauten der hier lebenden Tanka, einer Gemeinde von Fischern, abgesetzt, werden uns alle paar Meter schrill-bunte Prospekte entgegen gehalten, die eine Bootstour anpreisen, bei der wahlweise die beste Aussicht auf die skurrilen Bauten über dem Wasser oder ein Blick auf die angeblich in dieser modrigen Brühe noch lebenden Flussdelfine verheißt.

Traut man sich, die Hauptgasse nach links oder rechts zu verlassen, ergeben sich vom Ufer aus mindestens genau so spektakuläre Fotomotive, von den zum Trocknen aufgehängten oder ausgelegten Fischen mal ganz zu schweigen. Die letzten Stunden lassen wir bei einem späten Mittagessen am Strand auf der Südseite der Insel ausklingen. Während im Hintergrund die Wellen sanft rauschen, lassen wir die Bandbreite des Erlebten, die vielen Facetten Hongkongs noch einmal Revue passieren: Was für eine Stadt!

Reisebericht Hongkong Buddha Lantau Island

Buddha auf Lantau Island

Reisebericht Hongkong Fischerdorf Tai O

Fischerdorf Tai O, Lantau Island

Ich hoffe, dieser Reisebericht Hongkong hat Dir gezeigt, warum die Stadt ein absolutes Highlight für jeden Asien-Reisenden ist – vielseitig, modern und voller Überraschungen!

Reisebericht Hongkong – Tipps & Adressen

Man Mo Temple
Hollywood Rd, Central

Kloster Po Lin & Tian Tan Buddha
www.plm.org.hk/eng/home.php

Gondel Lantau Island zum Buddha
www.np360.com.hk/en/

Ozone Bar
Höchste Rooftop-Bar weltweit (118. Etage) im Ritz Carlton Hotel
International Commerce Centre (ICC)
1 Austin Rd W, Tsim Sha Tsui
Te. +852 2263 2270
www.ozonebarhongkong.com

Gut zu wissen

Beste Reisezeit für Hongkong
Das Klima Hongkongs ist subtropisch feucht mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 25°C und neun humiden Monaten. Der Winter von Januar bis März ist mild bis warm und trocken, der Sommer von April bis September ist heiß, feucht und regnerisch, während der Herbst (Oktober bis Dezember) warm und trocken ist. Im Sommer besteht regelmäßig Taifun-Gefahr.

Rauchen
ist in allen öffentlichen geschlossenen Räumen verboten, einschließlich Restaurants, Bars und Einkaufszentren. Ebenso besteht ein Rauchverbot an Stränden, auf Rolltreppen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Gesundheit
Das Leitungswasser in Hongkong ist trinkbar und entspricht den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation.

Hongkong öffentliche Verkehrsmittel
Hongkong verfügt über ein gut ausgebautes U-Bahn, Straßenbahn- und Busnetz. Am einfachsten ist die Benutzung mit der Octopus-Karte, einer kontaktlosen Smartcard. Die Karte kann bei Ankunft am Flughafen erworben werden oder an jeder Metro Station. Es wird eine erstattbare Kaution in Höhe von 50 HKD erhoben, wenn Du die Karte nicht mehr benötigst, wird bei Rückgabe die Kaution und der verbleibende Wert gegen eine geringfügige Bearbeitungsgebühr zurückerstattet.
www.octopus.com.hk

Text & Bilder: Judith Hoppe

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