Die Eifel – Deutsch, belgisches und luxemburgisches Mittelgebirge
Eine Lobeshymne auf „Preußisch Sibirien“
Preußen, stets auf weitere territoriale Ausdehnung bedacht, mag es 1815 als einen Erfolg auf dem Wiener Kongress betrachtet haben, als es den Zuschlag für die seit 1794 durch Annexion französisch gewordenen Eifel erhielt, immerhin hatte man seine Westgrenze erheblich weiter geschoben. Liebe brachten die protestantisch geprägten Preußen dieser ärmlichen, katholischen Neueroberung allerdings nicht entgegen.
Für einen preußischen Offizier glich der Militärdienst in dieser Region einer Strafversetzung. Schnell war die neue Region als das Armenhaus Preußens verrufen. Die noch im frühen 18. Jahrhundert boomende Eisenindustrie konnte gegen die neue Konkurrenz im Ruhrgebiet nicht mithalten. Die einst dichten Laubwälder waren der Holzkohlengewinnung zum Opfer gefallen, die Felder ohnehin wenig fruchtbar. Die Menschen verarmten, viele wanderten aus. Wegen der Armut, der Randlage und der harten Winter erwirbt die Eifel bald den Titel „Preußisch Sibirien“.
Zwar wird die Region ab 1865 von der Eisenbahn erschlossen, aber es ist zu spät für den Anschluss an die Industrialisierung: Die Eifel bleibt eine Agrarlandschaft, die nur langsam wirtschaftlich aufholt.
Auch heute ist dieser Landstrich mit seinen Wiesen und Feldern, ausgedehnten Wäldern, vielen Bächen, Flüssen und Seen immer noch traditionelles Bauernland. Aber das Image hat sich gewandelt. Vorbei ist die Zeit wo die Eifeler im Urlaub auf die Frage nach ihrer Herkunft verlegen mit einem „Von bei Aachen“ oder „von bei Trier“ antworteten und niemand sagte, ich komme aus der Eifel. Heimatstolz und Selbstbewusstsein dominieren heute und man sieht es beispielsweise an den Ergebnissen vieler Dorferneuerungen: Jedes Haus, die meisten unter ihnen immer noch im traditionellen Fachwerk, wetteifern miteinander um den Schönheitspreis und auf einmal ist die Eifel „in“.
Die Touristen kommen in Scharen, die Eifel-Nische der Buchhändler platzt aus allen Nähten, und die Marmelade mit dem Eifel-Qualitätslogo ist gleich ein bisschen mehr wert. Die Gründung des Nationalparks Eifel 2004 hat der Region einen richtigen Schub versetzt, sie hat sich zum touristischen Senkrechtstarter unter den ländlichen Regionen im Westen Deutschlands gemausert.
Mit dem Nationalpark kamen auch neue touristische Angebote. So gibt es seit 2008 den als Premiumweg konzipierten „Eifelsteig“. Auf einer Länge von rund 300 Kilometern führt er quer durch die Eifel von Aachen, der Krönungsstadt Kaiser Karls des Großen bis in die römische Kaiserstadt Trier. Obwohl noch blutjung, gehört der Steig mittlerweile zu den bekanntesten deutschen Weitwanderwegen. Unter dem Motto „Wo Fels und Wasser dich begleiten“ quert er eindrucksvolle Naturräume der Eifel wie die Hochmoorlandschaft des Hohen Venns, zieht durch das einsame Rurtal, den Nationalpark Eifel und den Vulkaneifel European Geopark mit seinen Maaren. Hier findet man auf engstem Raum so viele Mineralquellen und Vulkane wie nirgendwo sonst in Deutschland. Der Steig führt weiter durch die Südeifel. Etappe 14 führt übrigens nahe an einem Hotel mit einer 3-Michelinsterne-Küche vorbei (siehe nützliche Hinweise). An welchem deutschen Wanderweg haben Sie je Vergleichbares gefunden?
Gleich, ob Sie auf dem großen Eifelsteig oder einem der vielen davon unabhängigen oder miteinander verwobenen „Partnerwege“ wandern, Sie werden Ihren Aufenthalt im „grünen Herzen Europas“, das immerhin ein Erholungsgebiet für rd 30 Millionen Menschen, vor allem für die Bevölkerung der Großstädte ringsum ist, genießen.
Die Eifel ist eine kulturhistorisch reiche Region. Auch wenn die Neandertaler hier schon hausten, Kelten und Germanen hier wohnten, Kultur und Ordnung kam wie so oft erst mit den Römern. Um 30 v. Chr. übernahmen sie die Vorherrschaft. Sie bauten Trier, sie schufen eine Straße quer durch die Eifel nach Köln. Damit einher entstanden entlang der Route an den militärischen Stützpunkten Siedlungsbereiche und Marktzentren für Bauern und Handwerker. Religiös waren sie wohl recht flexibel wie die Weihesteine des sog. Matronenkultes, die man in der Görresburg bei Nettersheim findet, beweisen. Dass diese Steine allerdings auch heute noch mit Erntegaben geschmückt werden, macht mich stutzig: Sind die Kelten hier wiederauferstanden oder hat ein römischer Legionär gar überlebt?
Die Römer waren Genussmenschen und dennoch muss man ihnen Respekt zollen. So legten sie Wert darauf, dass das antike Köln (CCAA = Colonia Claudia Ara Agrippinensium) trotz direkter Lage am Rhein mit qualitativ hochwertigem Wasser aus der Region versorgt wurde. Für diesen Zweck wurde vor rund 2.000 Jahren in einer planerischen und bautechnischen Glanzleistung der 95,4 km lange Römerkanal von Nettersheim nach Köln errichtet. Das Bauwerk gehört zu den längsten aller von den Römern erbauten Aquädukte im ganzen Weltreich. Seit Juni 2012 führt nun der „neue“ Römerkanal-Wanderweg entlang der Trasse und der vorhandenen Relikte von Nettersheim bis nach Köln.
Um 400 n. Chr. zogen sich die Römischen Truppen aus der Gegend zurück, sie wurden in Italien im Kampf gegen die Westgoten gebraucht. In der Eifel machten sich die Franken breit. Ein Höhepunkt war sicherlich, dass der berühmteste Frankenkönig, Karl der Große, durch seine Eroberung der Sachsengebiete die zuvor am Rand des Frankenreiches liegende Eifel in die Mitte des Reiches verlagerte: Aachen wurde die Hauptresidenz der Karolinger.
In der Zeit nach den Karolingern, unter der Herrschaft der Staufer, ging die Herrschaft in erster Linie auf Herzöge, Grafen, Edelherren und Bischöfen über. Es entstanden Burgen, Schlösser und Abteien, die die Geschichte der Landschaft stark geprägt haben. Die Eifel wurde eine der burgenreichsten Landschaften Deutschlands. Die ehemals ca. 140 Burgen machen die damalige politische Zersplitterung der Region in kleine und kleinste Territorien gut erkennen. Die bis ins 19. Jahrhundert hinein bestehende politische Struktur des Raums und die Streitigkeiten unter den Adelsgeschlechtern trugen sicherlich zur wirtschaftlichen Rückentwicklung bei.
Viele Burgen der Eifel sind heute nur noch romantische Ruinen. Die Truppen Ludwigs XIV. zerstörten die meisten Burgen im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688-1693). Französische Revolutionstruppen, die von 1794-1815 die Eifel besetzt hielten, verursachten weitere Verwüstungen. Vor allem in der Folge des Säkularisationsgesetzes von 1802 wurden die ehemaligen Klostergüter aufgehoben und der Landbesitz von Klerus und Adel eingezogen. Etliche Burgen und Schlösser wurden in der Folge auf Abriss versteigert. Denkmalschutz war seinerzeit halt noch nicht in Mode.
Um so lohnenswerter ist ein Besuch von zwei „Paradeexemplaren“ der Burgbaukunst, die nie erobert und verwüstet wurden. Zum Beispiel Schloss Bürresheim im Nettetal bei Mayen oder Burg Eltz, erbaut im Jahre 1157 in der Südeifel. Sie zählt zu den bedeutendsten und schönsten Burgenanlagen Deutschlands.
Sie kennen ihr Bild sicherlich noch aus der Zeit der D-Mark, denn dieses fantastische Gebäude zierte ab 1965 unsere gute alte 500 DM-Note. Es ist für mich die eindrucksvollste Anerkennung der Entwicklung und Bedeutung der Eifel seit „Preußisch Sibirien“.
Sie können die geschichtliche Entwicklung dieser interessanten Region Deutschlands auch völlig außer Acht lassen. Besuchen Sie sie einfach: Per Fahrrad, Motorrad, mir dem Auto oder zu Fuß: Es wird Ihnen ein Mehr an Lebensfreude bescheren, denn „Die Welt gehört dem, der sie genießt.
Weitere Informationen:
Nützliche Hinweise & Links:
Homepage der Eifel Tourismus GmbH, der zentralen Marketing-Organisation
www.eifel.info
Der Deutsch-Belgische Naturpark umfasst das Hochmoor im belgischen „Hohen Venn und beinhaltet u.a. auch den Nationalpark Eifel
www.naturpark-hohesvenn-eifel.de
„Natur Natur sein lassen“ heisst hier die Devise. Klicken Sie auf der linken Seite einmal auf „Auf eigene Faust“ und dann auf „Wildnis- Trail“, wenn Sie etwas Ausgefallenes für Naturfreunde suchen
www.nationalpark-eifel.de
Alles über den 313 km langen Wandersteigs von Aachen bis Trier
www.eifelsteig.de
Hier können Sie einen kostenlosen Pocketguide „Römerkanal-Wanderweg“ und den archäologischen Wanderführer „Die lange Leitung der Römer“ anfordern. Der rund 100 km lange Römerkanal von Nettersheim nach Köln ist eine fast zweitausend Jahre alte ingenieurtechnische Meisterleistung. Dem Wasserfluss von früher folgt der “modernisierte” 116 km lange Römerkanal-Wanderweg entlang der Relikte des Römerkanals auf insgesamt 7 Etappen. Er wurde im Juni 2012 eingeweiht.
www.roemerkanal-wanderweg.de
Auf dieser Seite findet man den EifelPfadFinder, den interaktive Wanderplaner des Eifelvereins und einen detaillierten Einblick in die Fülle der verschienen Fern- Haupt- oder Regional-Wanderwege.
www.eifelverein.de
Ausführliche Tipps für ein Wanderwochenende in der Eifel.
Homepage einer Heimatforscherin und Autorin mit vielen interessanten Hinweisen und Geschichen
www.sophie-lange.de
Für den, der mehr und Einzelheiten über die Burg-/Schloss-/-Ruinen oder über die Klöster und Abteien in der Region erfahren möchte
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Kloster_in_der_Eifel
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Burg_in_der_Eifel
Für den Eifelbesucher, der sich damit vertraut machen möchte, wie heiss es unter seinen Füßen ist.
www.geopark-vulkaneifel.de
Monschau ist ein Touristenmagnet, denn die gut erhaltene historische Altstadt wird durch zahlreiche prächtige Bürgerhäuser aus der Blütezeit der Tuchindustrie geziert.
www.monschau.de
Ein Hort der Spiritualität, Kunst und Kultur.
www.kloster-steinfeld.de
Essen & Trinken:
Man reist oder wandert nicht unbedingt durch die Eifel, um sich als Gourmet inspirieren zu lassen. Das Eifeler Nationalgericht „SchniPoSa“ dominiert das Angebot und die Zubereitung ist traditionell-konstant, variiert auch nicht von Restaurant zu Restaurant. SchniPoSa steht übrigens für Schnitzel, Pommes, Salat, dies wird allerdings gelegentlich ergänzt durch alternierende Soßen wie Jäger-, Zigeuner- oder gar Champignon-Rahm-Saucen.
Restaurants, die aus dem Rahmen fallen:
Schnabuleum in Monschau in einem liebevoll restaurierten Wohnhaus, das zu einer noch in Betrieb befindlichen Senfmmühle gehört
www.senfmühle.de
Brogsitters Sanct Peter Historisches Gasthaus seit 1246
Bad Neuenahr-Ahrweiler
Man übersieht so schnell, dass die Ahr zur Eifel gehört….und sie hat dort übrigens den 35 km langen „Rotweinwanderweg“
www.sanct-peter.de
Burghaus Kronenburg
Im zauberhaften historischen Ortskern von Kronenburg, der allein schon einen Besuch rechtfertigt
www.burghauskronenburg.de
Waldhotel Sonnora
In der Südeifel findet man im dem kleinen Ort Dreis den kulinarischen Höhepunkt:
Hier kocht, von Michelin mit 3 (drei!) Sternen geehrt, Helmut Thieltges auf höchstem Niveau
www.hotel-sonnora.de
Literatur:
Empfehlenswert:
Dumont-Bildatlas Eifel – Aachen
2. Auflage 2012, 8,50 €
…und dann gibt es natürlich die mittlerweile stattliche Anzahl von
Eifel-Krimis, die mittlerweile in Millionenauflage das Herz der Krimi-Fans in ganz Deutschland erobert haben.
Neben Autoren wie Ralf Kramp, Martina Kempff, Elke Pistor oder Rudolf Jagusch wird das Genre angeführt vom Erfinder und Altmeister Jaques Berndorf:
www.jacques-berndorf.de
Für den Leser, der alles genau wissen möchte, gibt es auch einen Eifel-Reiseführer der besonderen Art:
Josef Zieren schrieb den Eifel Krimi-Reiseführer: „Auf den Spuren von Jacques Berndorf & Co“ [Taschenbuch]
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Text: hb













Christoph Hoppe
Judith Hoppe


