Helmut Newton Foundation, Berlin
Fotografie sei die einzige Kunstform, die es möglich mache, zwei Wirklichkeiten gleichzeitig festzuhalten: die vor und die hinter der Kamera.
Hat er gesagt. Zu mir. Persönlich. Ist schon ein ganzes Leben lang her. Er blieb mir immer im Gedächtnis, zumal ich damals, als Student nicht begriffen hatte, wer da vor mir saß und Dias beurteilte: Helmut Newton.
Helmut Newton: Einzigartiger Modefotograf
Geboren und beerdigt in Berlin, genialer Fotograf, fleischgewordene Initialzündung für den Einzug der Erotik in die Darstellung von Mode, weg von diskreter Eleganz und aristokratischer Raffinesse, hin zu den Frauen selbst, den Models, als einen wesentlichen Aspekt der Anziehungskraft von Mode und Schönheit. Helmut Newton ist vielleicht die emblematischste Figur dieser provokativen Entwicklung. Man erkennt die Urheberschaft seiner Fotos an ihrer Komposition, ebenso wie man Eric Clapton’s Gitarren-Sound oder Picassos Umgang mit Perspektive sofort dem jeweiligen Künstler zuordnen kann. Und Newton hatte seine Plattform: Die Modezeitschrift Vogue.
Sein Lebenswerk kehrt zurück in die Heimatstadt
Als er als Jude kurz nach seinem 18. Geburtstag, am 5. Dezember 1938, aus Berlin zuerst mit dem Zug in Richtung Singapur flüchten musste, soll er einen Blick zurückgeworfen haben. Vom Bahnhof Zoologischer Garten aus betrachtete er – quasi als letzte Erinnerung an seine Heimat – die direkt hinter der Station liegende Häuserzeile, darunter das ehemalige Casino der Preußischen Landwehr.
Die Straße heißt Jebensstrasse, in deren Hausnummer 2 heute die „Helmut Newton Foundation“, Museum für Fotografie, befindet – eben jenes ehrwürdige Casino. Denn mit den sterblichen Überresten des Fotografen kehrte auch sein Fundus nach Berlin zurück: mehr als 1.000 Werke.
Ikonisch: The Nudes
Der Aufgang der Sammlung ist durch seine Licht durchflutete, schiere Größe atemberaubend. Und natürlich wegen der Arbeiten, die Besucher auf ihre eigene Art willkommen heißen. Denn über den Treppen, die zu beiden Seiten des Saals in obere Stockwerke führen, hingen einst preußische Offiziere in Öl – heute blicken fünf monumentale „Big Nudes“ selbstbewußt, provozierend und stark den Betrachter frontal an. Newtons wohl bekannteste Werke. Nackte Frauen fotografieren kann jeder (wenn die das erlauben) – aber Bilder zu machen, auf denen der Stolz der Frauen ihre Nacktheit ganz selbstverständlich überstrahlt – das kann bis heute keiner besser als Helmut Newton.
Helmut Newton – die Ausstellung
Und nun wisst ihr wo ihr seid und was ihr erwarten dürft: Unmengen Portraits von mehr oder weniger bekannten Menschen und Weltstars, abgelichtet von Fotokünstlern der 1930er bis 80er Jahre, nicht nur von Helmut Newton, aber ganz viel in schwarz-weiß. Mode, Erotik, Alltag. Jedes Bild ein eigener Roman.
Ein Abteilung nennt sich „Private Property“ und beinhaltet persönliche Gegenstände für Fotografie, illustriert wichtige Etappen von Helmut Newtons Leben sowie die Entwicklung seines Werkes. Hier findet man seine Kameras und Accessoires, mit denen er Modelle ausgestattet hat und auch das berühmte „Newtonmobil“, eine Sonderanfertigung für den Autonarren.
Lasst euch überraschen. Für so manchen von uns würde ein Besuch der Ausstellungen ein Zeitreise von vor der eigenen Geburt, dann hinein in Kindheit und Jugend. Vieles erkennt man wieder. Vielleicht nicht sofort die Person im Bild – aber die Getränkedose in der Hand, ein Werbeplakat im Hintergrund, eine angeschnittene Zigarettenmarke am Rand.
Für mich mit Wehmut. Und tiefer Bewunderung für den Künstler – und Lebemann – Helmut Newton.
Helmut Newton Foundation
Museum für Fotografie
Jebensstrasse 2
D – 10623 Berlin
Tel.: +49 30 3186 4825
www.helmut-newton-foundation.org
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Bahnhof Zoologischer Garten
U-Bahn: U2, U9
S-Bahn: S3, S5, S7, S9
Bus: 100, 109, 110, 200, 204, 245, 249, M45, M46, M49, X9, X10, X34
Text: Christoph Hoppe
Bilder: Christoph & Judith Hoppe










Christoph Hoppe
Judith Hoppe

